Faktencheck 2: Zurück zur Sachlichkeit

Faktencheck 2 stellt einige der plakativen Behauptungen der Bürgerinitiative „Krematorium Kolbermoor“ in einen sachlichen Zusammenhang

Behauptung: „Industrielles Krematorium – 7.000 Verbrennungen im Jahr“

Fakten:

„Industriell“ im eigentlichen Sinn des Wortes steht für die in der Industrie erfolgende, groß angelegte Gewinnung, Bearbeitung, Produktion und Weiterverarbeitung von Rohstoffen oder Zwischenprodukten zu Sachgütern. Das Wort wird aber auch eingesetzt, um Branchen im entsprechenden Zusammenhang abzuwerten (z.B. „Finanzindustrie“ oder „Musikindustrie“).

Eine Feuerbestattungsanlage, die regelmäßig auch als Krematorium bezeichnet wird (wir vermeiden diesen Begriff, um uns klar vom negativen historischen Kontext des Wortes abzugrenzen), wird nicht dem produzierenden Gewerbe zugeordnet, sondern der Dienstleistungsbranche. Feuerbestattungsanlagen werden von Kommunen und klein- und mittelständischen Unternehmen wie der EHG, einem inhabergeführten Familienunternehmen mit über dreißigjähriger Tradition in Südbayern, betrieben.

Grundsätzlich sind wir der Ansicht, dass die Verwendung des Begriffes „industriell“ im Zusammenhang mit der Beisetzung und Kremierung von Verstorbenen an Pietätlosigkeit kaum zu überbieten ist. Man mag berechtigte Zweifel haben, dass den Anwendern an einer sachgerechten und den Verstorbenen und ihren Angehörigen gerecht werdenden Diskussion gelegen ist. Die Bestattungskultur hat in den letzten 25 Jahren – nicht nur in Deutschland – eine deutliche Entwicklung hin zur Feuerbestattung genommen. Dieser Trend ist den gewandelten Bedürfnissen der Bevölkerung geschuldet: viele Familien leben nicht mehr am gleichen Ort, was die regelmäßige Pflege eines Erdgrabes für die Hinterbliebenen zur Belastung macht. Auch gibt es immer mehr alleinstehende Menschen, die schon vor ihrem Tod wissen, dass sie niemanden haben, der sich um ihr Grab kümmern wird. Abgesehen davon spielen für viele Menschen auch finanzielle und ökologische Aspekte bei der Entscheidung für ihre Beisetzungsform eine Rolle: die Feuerbestattung ist nicht nur die kostengünstigere, sondern auch die umweltfreundlichere Form der Beisetzung.

Insofern ist auch die Anzahl von jährlich durchgeführten Einäscherungen kein wirtschaftliches Planspiel der EHG und der später hinzustoßenden Bestatter, sondern zeigt den in unserer Gesellschaft bestehenden Bedarf nach dieser Form der Beisetzung auf.

Die Feuerbestattungsanlage in Kolbermoor ist zunächst mit einer Ofenlinie für einen Bedarf von 3.500 Einäscherungen pro Jahr geplant. Die Option für einen späteren Ausbau soll bauseitig vorhanden sein, wird aber nur dann mit der Installation einer zweiten Ofenlinie realisiert werden, wenn der Bedarf für Feuerbestattungen weiter steigt. In Deutschland lassen sich heute durchschnittlich ca. 70 % der Gestorbenen kremieren, in Bayern sind es ca. 60 %. Die grundsätzliche Entscheidung für eine Erd- oder Feuerbestattung liegt dabei weder in den Händen des Bestatters noch des Betreibers der Anlage, sondern bei jedem Bürger selbst.

Dass eine entsprechende Anlagenkapazität vorhanden sein muss, hat technische und wirtschaftliche Gründe: eine Anlage, die für weniger Einäscherungen ausgelegt wäre, kann nicht die hohe technische Qualität der in Kolbermoor geplanten Anlage haben; auch würden bei für die Errichtung einer Feuerbestattungsanlage erforderlichen Investitionen zwischen 4,0 und 6,0 Mio Euro Einäscherungen für die Betroffenen deutlich kostenintensiver werden.

Behauptung: „Störung der Totenruhe“

Fakten:

Die Behauptung, eine Feuerbestattungsanlage würde die Totenruhe stören, ist nicht nur faktisch falsch, sondern auch rechtlich bedenklich.

Mit „Störung der Totenruhe“ wird rechtlich die Leichenschändung gleichgesetzt. Nach deutschem Strafrecht wird die Störung der Totenruhe bei einem vorsätzlichen Tatbestand mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft; auch der Versuch ist strafbar (§ 168 Strafgesetzbuch).

Der Vorwurf, wir verstießen mit dem geplanten Bau einer Feuerbestattungsanlage gegen § 168 StGB, zeugt davon, dass der Bürgerinitiative nicht an einer sachlichen Diskussion gelegen ist, sondern an einer um plakative Effekte bemühten Verunglimpfung aller Befürworter und Initiatoren des Projektes. Abgesehen davon diskreditiert er den Großteil aller in Deutschland, Europa und der Welt betriebenen Feuerbestattungsanlagen, die in ihrer überwiegenden Mehrzahl auf Friedhöfen errichtet sind, und deren Nutzer.

Das Planungskonzept der Feuerbestattungsanlage Kolbermoor berücksichtigt in besonderer Weise den pietätvollen Umgang mit Verstorbenen und den trauernden Hinterbliebenen. Die bauliche Integration in den Friedhof und eine dabei klare und schützende Trennung von den Gräberfeldern ermöglicht Trauernden auch an Erd- und Urnengräbern ein stilles, pietätsvolles und würdiges Zusammensein mit ihren Verstorbenen.

Behauptung: „Störfall – Regelfall“

Fakten:

Den Begriff „Störfall“ im Zusammenhang mit dem Betrieb einer Feuerbestattungsanlage zu verwenden, zeugt einmal mehr von Geschmack- und Pietätlosigkeit, aber auch von Unkenntnis und dem Willen zur Verunglimpfung.

Der Betrieb einer Feuerbestattungsanlage unterliegt strengen, im Bundesimmissionsschutzgesetz geregelten gesetzlichen Auflagen. Im FAKTENCHECK 1 – EMISSIONSGRENZWERTE haben wir ausführlich beschrieben, wie die regelmäßigen staatlichen Kontrollen definiert sind. Eine immissionsschutzrechtlich genehmigte Anlage, die die Betriebsstörung als Regelfall hat, darf nicht betrieben werden. Davon abgesehen nennt der Gesetzgeber die von der Bürgerinitiative „Störfall“ genannte Betriebsstörung nur im Zusammenhang mit chemischen und atomaren Anlagen. Eine insofern erfolgende Gleichsetzung solcher Anlagen mit Feuerbestattungsanlagen mag wohl überlegt sein, wird aber dem Tod als Bestandteil des Lebens weder gerecht noch ist sie für alle Beteiligten hilfreich.

Die in Traunstein betriebene Feuerbestattungsanlage ist aufgrund ihres reibungslosen Betriebes und ihrer sehr niedrigen Emissionen – weit unter den vorgegebenen Emissionsgrenzwerten und der Stadt Traunstein gegenüber verpflichtend – eine der wenigen Referenzanlagen des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz. Die Anlage in Kolbermoor ist mit der gleichen modernen, energie- und umweltgerechten Technik geplant. Grundsätzlich stellen darüber hinaus regelmäßige Wartungen und Überprüfungen aller installierten Anlagen und Einrichtungen durch Behörden, Hersteller und Sachverständige sicher, dass die vorgegebenen Grenzwerte zuverlässig eingehalten werden. Auch die Stadt Kolbermoor wird regelmäßig über Betriebszustände und Emissionen unterrichtet, der zu vereinbarende Erbbaurechtsvertrag, der ebenfalls verpflichtende Unterschreitungen der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Grenzwerte nennt, gibt der Stadt eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verifizierung, zur Einflussnahme und zur Pönalisierung.

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